Erkenntnisse aus der 6. SIL - Sprechstunde Funktionale Sicherheit

08.12.2014

Tesium unterstützt SIL - Expertenrunde mit Praxiswissen

Prozessanlagen und Maschinen unterliegen den komplexen Normen und Regelwerken der Funktionalen Sicherheit, um Mensch und Umwelt optimal zu schützen. Pepperl + Fuchs und die Zeitschrift Automatisierungstechnische Praxis (atp edition) veranstalteten am 23. und 24. September 2014 die 6. SIL-Sprechstunde mit dem Thema "Irrtümer und Missverständnisse rund um SIL, Experten fragen – Experten antworten". Tesium vervollständigte mit Werner Brockschmidt das Team der Referenten und Experten, das äußerst kompetent besetzt war. Besonders gefragt waren seine Beiträge zur Funktionalen Sicherheit in Verbindung mit dem Explosionsschutz. Durch die neue TRBS 2152 Teil 5 werden diese Fragen in Kürze zusätzliche Relevanz bekommen.

Die Vorträge am ersten Veranstaltungstag waren geprägt durch Erfahrungen, auch zu erkannten Fehlern, die Referenten von Betreiberfirmen, Abnahmestellen (TÜV, Behörde) sowie Geräte- und Systemherstellern der Automatisierungstechnik einbrachten. Ebenso wurden einige Spezialgebiete der Funktionalen Sicherheit behandelt. Die rege Beteiligung der Seminarteilnehmer zeigte schon am ersten Tag das große Interesse, den großen Diskussionsbedarf aber auch die teils große Unsicherheit im Umgang mit dem Sicherheits-Integritätslevel (SIL).

Am zweiten Veranstaltungstag folgten drei parallele Workshops unter der Leitung der Referenten und Experten. Die im Vorfeld eingereichten und am Vortag offen gebliebenen Fragen bildeten den roten Faden für die einzelnen Workshops, die große Stärke und Besonderheit der SIL-Sprechstunde.

Als weitere Experten der Sprechstunde standen neben den Referenten der Fachvorträge auch Martin Herrmann (Evonik), Bernd Schrörs (Bayer Technology Services), Werner Brockschmidt (Tesium) sowie Dirk Hablawetz (BASF) den Teilnehmer mit ihrer gesunden Mischung aus Praxiswissen und Normenkenntnis Rede und Antwort.

Die Themen und Fragen waren äußerst vielfältig: Immer wieder stellte sich heraus, dass die meisten sicherheitstechnischen Fehler systematische Fehler sind, Statistiken gehen von bis zu 85% aus. Umso wichtiger wird somit die konsequente Durchführung eines Qualitätsstandards mit Hilfe des sogenannten Managements der Funktionalen Sicherheit. Die reine Berechnung, mit oder ohne nachgewiesener Betriebsbewährtheit, reicht bei weitem nicht aus. Ein verbreiteter Irrtum zeigt sich immer noch in der Ansicht, dass eine SIL-Bescheinigung des Herstellers ausreichende Qualität für den Einsatz in einem Sicherheitskreis bietet. SIL (Safety Integrity Level) ist aber keine Produkteigenschaft. Die Bescheinigung sagt lediglich aus, dass sich dieses Gerät unter Umständen für eine EMSR - Schutzeinrichtung eignet. Zwei weitere Themen wurden sehr kontrovers diskutiert. Zum einen, die Reduzierung des erreichten SILs durch parallele Aktoren. Hier ist es wichtig, die Betriebsweise richtig zu beurteilen. Zum anderen das Thema der gleichzeitigen Nutzung eines Aktors in einer einkanaligen Schutzeinrichtung und als Betriebseinrichtung eines Prozessleitsystems. Ohne eine Ergänzungsgefährdungsbeurteilung kann dieser Vorteil nicht genutzt werden.

Im 3. Workshop mit dem Titel "Sonderfälle, gängige Praxis und Grauzonen" wurden insbesondere die Themen Funktionale Sicherheit und EX-Schutz bearbeitet. Die Ende 2014 neu erscheinende gesetzliche Regelung durch die TRBS 2152 Teil 5 "Gefährliche explosionsfähige Atmosphäre - Anwendungen von Sicherheitseinrichtungen im Rahmen von Explosionsschutzmaßnahmen" diskutierten die Teilnehmer ebenfalls sehr kontrovers. Trotzdem konnten Lösungsvorschläge aufgezeigt werden. Werner Brockschmidt berichtete, wie Tesium für die Symrise AG besonders anspruchsvolle, sicherheitstechnische Lösungen bei der EX-Hochrüstung von Pulvermischern für die Verarbeitung hybrider Gemische ohne Inertisierung und konstruktiven Explosionsschutz realisierte. Weitere Beispiele sind die Ex-Hochrüstung von älteren Dekantern mit Zwei–Fehler–Sicherheit für die Zone 0 sowie die Absicherung des mechanischen EX-Schutzes von Pumpen.

Am Ende des 2. Veranstaltungstages wurden die Ergebnisse der Workshops noch einmal zusammengefasst. Es zeigt sich, dass besonders bei kleineren und mittleren Firmen nach zehn Jahren Funktionaler Sicherheit weiterhin reichlich Diskussionsbedarf, ausgelöst durch Missverständnisse oder Irrtümer, vorhanden ist. In größeren Firmen gehören die Funktionale Sicherheit und das Management der Funktionalen Sicherheit inzwischen zur Firmenphilosophie.

Ihr Ansprechpartner bei Tesium für Lösungen zur Funktionalen Sicherheit und SIL ist

Herr Dipl.-Ing. Werner Brockschmidt
Telefon 05531 / 90-1180
Fax 05531 / 90-48180
Email an Werner Brockschmidt

 

Es sind noch Fragen offen und Erfahrungen auszutauschen: Die nächste SIL-Sprechstunde ist für den 22. und 23. September 2015 geplant.

www.sil-sprechstunde.de